Herausforderungen für Tshepanang

Inzwischen unterrichten 48 junge Erwachsene in 20 Grund- und Mittelschulen und erreichen 3900 Schüler. Die Peer educators haben Stunden im Fach „Life orientation“ zugeteilt bekommen und alle von ihnen haben inzwischen die ersten Unterrichtsstunden gemeistert. Sie werben in ihren auf Geschichten basierenden Lektionen für Vertrauen, Respekt, Selbstwert, Ausdauer, Selbstdisziplin und den Aufbau von festen freundschaftlichen Beziehungen. In der südafrikanischen Gesellschaft verfallen diese Werte rapide, auch deshalb schreitet die AID- Epidemie weiter voran.

Besonders bei den 10- bis 19-Jährigen, vor allem den Mädchen, nimmt die Zahl der Neuinfektionen und der AIDS-Toten zu, während sie bei den höheren Altersgruppen durch die Einführung der virushemmenden Medikamente zurückgegangen ist. Die Peer educator geben deshalb in ihren Stunden nicht nur Grundwissen zu HIV und AIDS weiter, sondern sprechen auch über Teenager-Schwangerschaften und das Problem der „Sugar Daddies“ (ältere Männer, die Beziehungen zu Mädchen und jungen Frauen suchen und ihnen dafür materielle Vorteile versprechen).

Paballo Loving gehört zu den rund 50 jungen Erwachsenen, die Schüler zum Thema HIV unterrichten.
Paballo Loving gehört zu den rund 50 jungen Erwachsenen, die Schüler zum Thema HIV unterrichten.

„Siehe, ich sende Euch wie Schafe mitten unter Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“ – unter diesem Bibelwort (Mt 10,16) stand unser Workshop Anfang Januar zur Vorbereitung des Unterrichts. Die „Wölfe“ sind auch die widrigen Bedingungen, denen unsere Peer Educators in den Schulen begegnen: Klassen mit bis zu 60 Schülern und häufige Stundenplanänderungen. Manchmal werden die Tshepanang-Stunden kurzfristig abgesagt: „Heute kannst du nicht unterrichten, denn wir brauchen deine Stunden für die Vorbereitung der Sportwettkämpfe/des Chorwettstreits.“

Es gibt auch etliche Schüler, die sich manchmal wie „Wölfe“ gebärden: Kinder, die ohne oder unter alkoholabhängigen Eltern aufwachsen und dann ihren Agressionen in der Schule freien Lauf lassen; Kinder, deren Konzentrationsspanne durch die modernen Medien auf ein Minimum abgesunken ist oder die die Peer Educators verspotten: „Da kommt sie wieder, die AIDS-Tante“. Das ist für jemanden, der in einer Schamkultur aufgewachsen ist, nicht so leicht wegzustecken.

Es bedarf großer Klugheit, sich durch all diese widrigen Bedingungen hindurchzuschlängeln und die Möglichkeiten, die sich doch noch bieten, zu erkennen und zu nutzen. Und es bedarf einer lauteren Motivation.

Für ihr Engagement erhalten die Peer educators eine Erstattung für Transport- und Essenskosten sowie eine kleine Aufwandsentschädigung. Je nach Umfang des Unterrichts benötigen wir dazu pro Monat bis zu 90 Euro pro Peer educator.

Wolfgang Hermann

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