Nach dem Winter

Nun sind die Bäum wieder grün geworden nach einem strengen Winter, der noch bis in den August hinein reichte. In dieser Woche ist es schon richtig heiß geworden.

Unser letzter Post war im Juli, als gerade die Winterferien angefangen hatten. Seit Ende Juli sind die Kinder wieder in den Kindergärten, anfangs waren es nur wenige, aber jetzt steigen die Zahlen wieder. Die Schulkinder sind zum Teil noch immer im Wechselunterricht, was die Hausaufgaben-Hilfe und besonders die Alphabetisierung schwierig macht. Unsere Mitarbeiterinnen ermutigen die Kinder auch dann zu kommen, wenn sie nicht zur Schule gehen. Aber das klappt nicht bei allen. Wir hören immer wieder von Müttern: „Wir müssen Seife und Waschpulver sparen.“ Im Klartext heißt das: Wenn die Kinder zur Schule gehen, müssen sie sich und ihre Schuluniform waschen . Das kostet Geld, was viele nicht haben. Besonders kleine Gelegenheitsarbeiten sind den verschiedenen „lockdowns“ zum Opfer gefallen. Wenn die Kinder keine Schule haben, waschen sie sich nicht, um Seife zu sparen.

Ungefähr die Hälfte der Kinder, die in unsere Hausaufgaben-Hilfe kommen, können nicht lesen bzw. so schlecht lesen, dass sie ihre Hausaufgaben nicht ohne Hilfe machen können. Unser Ziel ist, dass wenigstens die Hälfte von ihnen am Ende des Jahres lesen können. Der einzige Weg, das zu erreichen: dass sich unsere Mitarbeiter:innen mit den einzelnen Kindern hinsetzen und Schritt für Schritt das Alphabet durchgehen und die 50 Phonogramme lernen, was zeitaufwendig ist. Setswana, ihre Muttersprache ist phonetisch, enthält aber viele Tonträger, die z.T. bis zu vier Buchstaben haben. Das heißt, man hört einen Laut, der aber mit zwei, drei oder vier Buchstaben geschrieben wird.

Die meisten unserer Kinder kommen zu Hause nicht mit Büchern in Berührung. Das, was in Deutschland für jedes Kind selbstverständlich, ist hier nicht so: Geschichten vorlesen, in Büchern stöbern, Bilderbücher anschauen. In unseren Kindergärten erlebe ich es immer wieder, dass Kinder Bilder nicht „lesen“ können. Wenn ich mit ihnen Bücher anschaue, können sie mir nicht sagen, was auf den Bildern zu sehen ist. Es ist offenbar so, dass auch das gelernt werden muss.

Wir sind dennoch zuversichtlich, dass unsere Bemühungen in den Hausaufgaben-Programmen zum Erfolg führen werden. Befragungen von Eltern und Lehrern haben ergeben, dass seit Covid-19 die Kindern in den Grundschulen ungefähr ein Jahr zurück sind mit ihrem Lernstoff. Ein Kind, das in der 3. Klasse ist, ist eigentlich auf dem Stand eines Kinds in der 2. Klasse. Wie das aufgeholt werden kann, weiß keiner.

Im Juli hatten wir von unseren beiden Mitarbeiterinnen, Kesentseng und Itsholeng berichtet, die ganz plötzlich innerhalb einer Woche verstorben waren. Wir sind sehr dankbar, dass ihre Aufgaben an andere verteilt werden konnten. Wir haben in der Hoffnung, dass Spenden dafür eingehen, fünf Frauen in Computerkursen eingeschrieben. Sie werden langfristig Laptops brauchen, für die wir auch noch kein Geld in unserem Budget haben. Auch hier hoffen wir auf Spenden. Wir hoffen, dass diese fünf sich schnell einarbeiten können und einige der Aufgaben übernehmen.

Am letzten Wochenende haben wir mit 15 Mitgliedern, die mit Kindern arbeiten, einen Stillen Tag in Zeerust gehalten. Diese Tradition war letztes Jahr durch Corona unterbrochen worden. Wir sind froh, dass wir damit wieder anfangen konnten. Das Thema war „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ (Jesaja 43,2). Für einige war das Bild des Textes „durchs Feuer gehen“ oder „vom Wasser weggerissen werden“ direkt bezogen auf die Covid-19-Pandemie, andere hatten mehr ihre finanziellen Engpässe vor Augen, die ihnen im letzten Jahr das Leben schwer gemacht haben. Es war gut, dass wir unsere Erfahrungen und Nöte teilen und uns gegenseitig die Nähe Gottes zusprechen konnten.

Christel Hermann

Nach dem Winter