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Tsibogang in Zeiten von Corona

Tsibogang in Zeiten von Corona

„Eigentlich weiß ich schon viel über Tsibogang und die Arbeit mit den Kindern dort. Aber es ist bestimmt gut, einmal selbst mitzuerleben, wie die Gruppen sich dort treffen und die Kinder miteinander umgehen.“ So ungefähr war meine Erwartung, als ich Mitte März in Südafrika ankam. Wie recht ich damit hatte und dennoch meilenweit daneben lag, wurde mir dann innerhalb der nächsten Tage klar. In Deutschland auf einem nahezu leeren Flughafen gestartet, gab es bei der Landung in Johannesburg zwar zweimal eine Fieberkontrolle – ansonsten schien das Thema Corona hier aber noch relativ weit weg zu sein. Zusammen mit Thomas Schmidt aus der Communität Heidelberg habe ich die Communität in Mafikeng besucht und mich darauf gefreut, endlich einmal all die Dinge direkt zu erleben, von denen ich vorher gehört und gelesen hatte.

Unerwartet für mich war, welche Schwierigkeiten sich ganz praktisch stellen: Schlechte Straßenverhältnisse verlangen einem Fahrer (und auch einer Fahrerin) volle Konzentration ab, um nicht in einem Schlagloch zu landen – und nicht immer lässt es sich ganz verhindern. Bauliche Mängel an Gebäuden wollen behoben werden, was gerade bei gemieteten Räumlichkeiten nicht ohne Zuständigkeitsprobleme abgeht. Aber all das verblasste sofort in den buchstäblich strahlenden Augen der Kinder!

In der Selbsthilfe-Gruppe Amogelang treffen sich Kinder, die von HIV direkt oder indirekt betroffen sind. Mit welcher Fröhlichkeit und Ausgelassenheit hier der geschützte Raum genutzt wurde, hat mich schier umgehauen. Die Kombination aus stimmgewaltigem Gesang (ja, da waren auch ein paar individuelle Töne dabei), unbekümmertem Spiel, aufmerksamen Zuhören bei neuen Corona-Regeln und der gegenseitigen geistlichen Stärkung („Jesus liebt die Kinder, sie sollen zu ihm kommen – wir sind gemeint“) war absolut beeindruckend. Der Waschzuber, in dem sich zuvor alle die Hände waschen sollten, wurde ausgeschüttet und durch einen Messbecher als Wasserquelle ersetzt. Das war gar nicht demonstrativ geplant, aber es war ein beeindruckendes Bild, wie hier sofort altes Verhalten durch Neues ersetzt wurde.

Dass 30 Minuten Händewaschen nicht ganz die korrekte Lösung für die neuen Hygieneregeln darstellt, konnte im Afterschool-Program geklärt werden. Einfache Missverständnisse, die aber auch geklärt werden müssen. Die Wertschätzung, die den Kindern hier entgegengebracht wird, ist aber leider nicht für alle eine selbstverständliche Erfahrung – allzuoft müssen sie in der Schule Anderes erleben. Und ohne dass ich so ganz genau beschreiben könnte, woran es liegt, habe ich doch das Gefühl, dass man den Kindern abspürt, dass das hier nicht nur verlängerter Schulunterricht ist, sondern ganz wesentlich zur Charakterbildung beiträgt. Hier sind sie mit Begeisterung bei der Sache.

Die Schließung der Schulen und Kindergärten und damit die allgemeine Krisenlage kam dann doch nur kurz nach mir an und hatte weniger Begegnungen als geplant ermöglicht – die waren aber nachhaltig eindrücklich für mich. Vielen Dank!

Ich gehöre zur Geschwisterschaft Koinonia und kenne die Communitätsgeschwister in Südafrika seit über 30 Jahren. Ich habe jetzt nicht einfach nur eine bessere Kenntnis der Arbeit von dem, was Christel und Wolfgang Hermann da leisten, erhalten (was meine Erwartung und Hoffnung war). Ich habe in Tsibogang einen neuen, unerwarteten aber verheißungsvollen Eindruck davon bekommen, wie Menschen die Liebe und Wertschätzung, die sie in Christus erfahren haben, weitergeben. Seit zwei Jahren bin ich beruflich IT-Fachmann und habe schnell einen organisatorisch-technischen Blick auf die Dinge. Danke, daß ich hier erleben durfte, wie stärkend lebendiges Miteinander ist und daß das wichtiger und prägender als technische Schwierigkeiten ist.

Lauritz Laatzen