„Peer Educator zu sein ist eine große Ehre und Herausforderung“

Der Monat Juni wird in Südafrika als der Monat der Jugend gefeiert – in Erinnerung an den 16. Juni 1976, als die Jugend von Soweto (eine der größten Trabantenstädte) auf die Straßen ging, um gegen die Apartheid-Politik zu protestieren. Es sollte Afrikaans, die Sprache der weißen Unterdrücker, als Unterrichtssprache an allen Schulen eingeführt werden. Auf dem Weg zum größten Stadion trafen die jungen Leute auf Panzer, Armee und Polizei, die ohne Rücksicht auf sie schossen, viele verloren ihr Leben. Mit diesem Tag begann eine Bewegung, in der viele junge Menschen in den Untergrund gingen, sich dem ANC und anderen kritische Gruppen anschlossen, um die Apartheid-Regierung zu bekämpfen.

Aus diesem Anlass hat Christel Hermann Thato Mokgothu interviewt. Er ist 29 Jahre alt, Mitarbeiter von Tsibogang in Mafikeng und erzählt, wie er sein Leben und die Situation der Jugendlichen in Südafrika einschätzt.

Am 16. Juni feierten wir den Aufstand der Jugend in Soweto. Was bedeutet dieser Tag für dich?

Der 16. Juni ist wichtig für mich, denn es war das erste Mal, dass schwarze Jugendlichen sich öffentlich gegen die Apartheid-Regierung aussprachen. Sie taten dies mit Gewalt, die ich nicht gut heiße. Aber was ich mag ist ist, dass sie gemeinsam für ihre Rechte gekämpft haben.

Was sind die brennenden Fragen der jungen Menschen heute nach 29 Jahren Demokratie in Südafrika?

Arbeitslosigkeit und Drogenmissbrauch sind die brennenden Fragen heute. Es geht wie in einem Teufelskreis: Die Jugendlichen sind frustriert, weil sie wenig zu hoffen haben im Hinblick auf ihr Zukunft. Es gibt wenig Arbeitsstellen bzw. Ausbildungsmöglichkeiten. Dann greifen Jugendliche zu Drogen (wie Alkohol u.a.). Das senkt die Schwelle in bezug auf ihr Verhalten: Mädchen werden schwanger, während sie zu Schule gehen; die Schule wird abgebrochen; um das zu „ verdauen“, trinken sie … Es fehlt vielen Jugendlichen an Selbstkontrolle und –disziplin.Dies ist auch eines der Themen, die wir in unserem Tshepanang-Unterricht angehen.

Wann bist Du zu Tshepanang/Tsibogang gekommen und was hat Dich motiviert, ein Peer educator zu werden?

2010 wurde ich zu einem Workshop von Tshepanang eingeladen. Ich hatte einen Kurs bei Life Line (einer Beratungsorganisation) gemacht und arbeitete als Berater. Tshepanang interessierte mich, weil ich eine Herausforderung brauchte. Jüngere in der Schule zu unterrichten, das hatte ich noch nicht gemacht. Ich habe die Vision, durch das Unterrichten/Lehren mehr Menschen zu erreichen als nur die, die in der Schule sitzen.

Was sind die besten, was sind die schlimmsten Momente für einen Peer Educator ?
Nach meiner OP (wegen eines Gehirntumors) habe ich wieder gelernt zu sprechen. Manchmal stottere ich seitdem. Also das ist ein Problem, wenn die Schüler über mich lachen. Aber nachdem ich ihnen meine Geschichte erzählt habe, respektieren sie mich, und sie kommen sogar zu mir zur Beratung und suchen Hilfe. Ich habe erkannt, dass es einen großen Bedarf an Beratung in Schulen gibt. So viele Kinder haben ernsthafte Probleme, und sie würden nicht auf die LehrerInnen zugehen. Wir Peer Educators sind da sehr wichtig. Das ist für mich eine große Ehre und Herausforderung.

„Peer Educator zu sein ist eine große Ehre und Herausforderung“