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Ein Blick zurück auf 2019

Ein Blick zurück auf 2019

Liebe Freundinnen und Freunde von Tsibogang,

bei uns ist es nach einer Woche Regen nun endlich grün geworden, nachdem wir wochenlang jeden Tag sehnsüchtig nach Wolken Ausschau gehalten und einer unbeschreiblichen Hitze gelitten haben. Wir hatten nachts 23° C, tagsüber bis zu 40° C im Schatten.

Die meisten Aktivitäten des Jahres sind abgeschlossen. Zur Zeit findet in einem Einkehrzentrum fuer Jugendlichen in der Nähe von Pretoria eine Freizeit für unserer Selbsthilfe-Gruppe der Kinder statt. Wolfgang Hermann ist zusammen mit vier Mitarbeiter*innen am Montag dorthin gefahren. Bis gestern sind sie buchstäblich mit Regen üeberschüttet worden.

Wir sind dankbar, dass wir gut durch dieses Jahr gekommen sind dank eurer/Ihrer Spenden.

Am 1. Dezember hatten wir unsere Jahresabschlussfeier, die mit dem World AIDS Day zusammenfiel. Wir gedachten all derer, die mit HIV/AIDS leben, die daran gestorben sind bzw. die Folgen dieser Krankheit tragen. Unsere Organisation ist seit 17 Jahren damit beschäftigt, Menschen zu begleiten, die von HIV/AIDS betroffen sind. Seit 2004 sind in Südafrika antiretrovirale Medikamente zugänglich. In den letzten drei Jahren hat sich viel verändert und verbessert bei der Ausgabe und Dosierung dieser Medikamente: So reicht es für die meisten, einmal am Tag eine Tablette zu nehmen, die drei Wirkstoffe enthält.

In unserer Organisation haben wir Mitglieder, die seit 15 Jahren gut mit ihrer Krankheit leben, die auf sich achten und ein normales Leben führen. Wie jedes Jahr erzählte am 1. Dezember jemand, der mit HIV lebt, wie das geht und welche Herausfordrungen sich stellen. Diesmal war es Esther, die seit 15 Jahren weiß, dass sie HIV-positiv ist und schon lange die Medikamente nimmt. Viren sind bei ihr dank der Medikamente nicht mehr nachweisbar. Sie hat geheiratet und dankte allen in Tsibogang, die ihr geholfen haben, diese Krankheit anzunehmen.

Die Jugendlichen führen ein Theaterstück zur Diskriminierung von Menschen mit HIV auf.

Kinder führten verschiedene Theaterstücke auf. Die Kinder gehören zu den in diesem Jahr neu etablierten After School Centers in New Bethel sowie zu unserer Selbsthilfe-Gruppe fuer Kinder mit HIV „A Re Tshamekeng Bana“. Die Theaterstücke nahmen diskriminierenden Verhaltensweisen gegen Menschen, die mit HIV leben, sowie die Gewalt gegen Frauen und Kinder in unserer Gesellschaft aufs Korn.  Mit einer Slide-Show ließen wir die Ereignisse dieses Jahres noch einmal an uns vorüberziehen.

Wolfgang Hermann gab einen Überblick, wo wir in Südafrika hinsichtlich der 90- 90-90-Strategie stehen. 90-90-90 bezieht sich auf die Ziele, die die WHO im Hinblick auf HIV erreichen will. 90 % von denen, die mit HIV leben, wissen, dass sie infiziert sind. Das erste Ziel der 90-90-90 Strategie ist in Südafrika also erreicht. Schlechter sieht es bei dem zweiten Ziel aus: Nur 68 % all derer, die wissen, dass sie mit HIV leben, haben mit der Einnahme der virushemmenden Medikamente (Antiretroviral Treatment,ART) begonnen – also deutlich weniger als die angestrebten 90 %. Besonders Männer weichen diesem entscheidenden Schritt aus und gefährden so ihr eigenes Leben und das Leben anderer. Auch bei dem dritten Ziel erreicht Südafrika die anvisierten 90 % nicht: So ist nur bei 54% aller, die mit HIV leben, das Virus unter die Nachweisgrenze abgesunken, was durch die sehr regelmäßige Einnahme der virushemmenden Medikamente erreicht wird. So sind wir also von dem Erreichen des dreifachen 90%-Ziels, das für 2020 anvisiert war, in Südafrika noch relativ weit entfernt, und es bleibt auch für Tsibogang da im nächsten Jahr viel zu tun.

Die Hauptrede hielt am 1. Dezember Thandiwe Kabi vom Aurum Institute. Nach langem Hin und Her gelang es, mit dieser aus Amerika finanzierten Organisation einen Vertrag abzuschließen, der vorsieht, dass 18 unserer ausgebildeten Care Givers wieder direkt in HIV Testing und der entscheidenden Initiierung vom virushemmenden Medikamenten involviert sind.

Christel und Wolfgang Hermann